Wir haben unsere Reiseroute hin und her geschoben, die Stationen auf dem Terminplan von links nach rechts verlegt, Internetseiten und Online-Reiseberichte durchforstet. Wir waren auf der Suche. Auf der Suche nach einem der vielen Immigration Offices Indonesiens, in dem wir unsere Visa Extension möglichst schnell erledigen könnten. Wir wollten nicht wie andere Reisende, mit denen wir vorab sprachen, eine Woche festhängen, nur um den neuen Stempel im Reisepass zu bekommen. Dieser würde uns erlauben, 30 Tage länger im Land zu bleiben. Die Wahl fiel auf Samarinda, die Hauptstadt Ost-Kalimantans auf der Insel Borneo. Hier startete unsere Mahakam River Tour. Als wir mit Hilde – der netten Beamtin vom Immigration Office – sprachen, waren wir von ihrer zuvorkommenden Art begeistert. Wir hätten Kopien von unseren Pässen und einen Ausdruck unseres Rückflugtickets mitbringen müssen. Kopien hatten wir nicht dabei, wären aber kein Problem gewesen. Unser Ticket jedoch hatten wir nur in elektronischer Form auf S’s Tablet und in dieser Ecke einen Internetshop zu finden, der uns auch noch einen Drucker zur Verfügung stellt, schien schier unmöglich. „No problem, Daisy will help you“ sagte Hilde als wir ihr den Sachverhalt schilderten. Daisy im ersten Stock kopierte unsere Pässe. Und nicht nur das. Sie gab uns zudem ihre private Emailadresse, so dass wir ihr per Office WiFi unser Ticket zum Ausdrucken schicken konnten. Währenddessen plauderten wir noch mit den anderen uniformierten Beamten, die sich alle über den ungewöhnlichen Besuch freuten.

Was uns aber noch mehr begeisterte war Hilde’s kurze und knappe Antwort auf unsere Frage, wann wir unsere Pässe wieder zurück bekämen. Wir hatten gehofft, dass wir am nächsten Tag wieder kommen könnten. Doch ihre Antwort war kurz und knapp: „Come again today at 2 o’clock!“ Wir mussten also nur 4 Stunden warten und hatten die Sache hinter uns? YES!! 😎

In bester Laune hüpften wir aus dem Büro und machten uns erst einmal auf die Suche nach einem gemütlichen Lokal, wo wir einen Kopi Susu (Kaffee mit gesüßter Milch) trinken konnten, um uns die Zeit zu vertreiben. Wir fanden zwar kein schickes Café, stattdessen aber ein Warung, eine Art „indonesische Imbissbude“, die in einer ruhigen Straße ab vom lauten Verkehr der Hauptstraße lag. Nach und nach kamen einheimische Gäste, die sich nicht davon abhalten ließen freudig darauf los zu sprechen, obwohl sie kein Englisch konnten. Wir verstanden kein Wort, aber das stoppte auch uns nicht mit vollem Körpereinsatz zu erzählen. Immer mal wieder tauchte eine neue Person hinter dem Tresen des Warungs auf, die wissen wollte, was da draußen vor sich ging. So lernten wir Rudi kennen, den Besitzer des Lokals und Evi, seine Ehefrau, die sich schon nach ein paar Minuten als unglaublich herzliche Menschen entpuppten. Und da war dann noch die ständig strahlende und tanzende „Aunty“, die uns durch ihre Energie umhaute und es liebte, sich mit uns im Arm fotografieren zu lassen. Nach einiger Zeit gesellte sich dann auch noch Julie zu uns, eine junge Samarinderin, die um die Ecke wohnte. Zuerst war sie etwas schüchtern Englisch mit uns zu sprechen, dann machte sie plötzlich auf und war nicht mehr zu bremsen.

Samarinda encounter

Samarinda encounter 2

Samarinda encounter 3

Samarinda encounter 6

Evi lud uns zum Essen in ihr Haus neben dem Imbiss ein, wo die ganze Familie wohnte. Und obwohl wir vom Frühstück noch supersatt waren, wollten wir das Angebot nicht ausschlagen. Wir aßen mit ihnen auf einem Teppich am Boden im Kreis sitzend, lachten und sprachen ununterbrochen mit Händen und Füßen weiter, wobei Julie uns übersetzte. Wir alle waren dankbar für diese Begegnung.

Samarinda encounter 5

Samarinda encounter 4

Als wir uns auf den Weg zurück zum Immigration Office machen mussten, ließen sie uns nicht einmal unseren Kaffee bezahlen. Beim Verabschieden war Julie auf einmal verschwunden. Mit kleinen Abschiedsgeschenken kam sie zurück. Wir waren unendlich gerührt.

Als wir beim Immigration Office ankamen, erfuhren wir, dass es einen Systemzusammenbruch gab und wir unsere Pässe erst am nächsten Tag zurück bekommen würden. Das störte uns nach dem schönen Tag aber dann nicht weiter. 🙂

 

5 Comments

 

  1. 07/04/2014  14:06 by Eva Reply

    Was erlebt Ihr nur für coole Geschichten... Mit einem breiten Lächeln im Gesicht freue ich mich an Euch und den wundervollen Menschen, die Ihr trefft und die wir über Eure Bilder sehen können :* aus der Ferne!

    • 07/04/2014  16:15 by V Reply

      Ja, wir fühlen uns wirklich reich beschenkt! Dein breites Lächeln stelle ich mir gerade vor... schön! :D Dank dir! :-*

  2. 08/04/2014  05:44 by Andrew Reply

    A smile goes a long way.

  3. 30/05/2015  19:22 by Vanessa Reply

    Oh das gibt mir ja Hoffnung :)
    Ich werde im Juli auch in Samarinda mein VOA verlängern lassen müssen, da mein Freund ich und seine Eltern in Sangatta besuchen werden.
    Brauchtet ihr nur die Pässe, das Geld, Rückflugticket + kopien?

    Liebe Grüße Vanessa

    • S
      21/06/2015  13:05 by S Reply

      Hallo Vanessa,

      Sorry, dass wir erst jetzt Antworten, aber wenn man erstmal wieder im Alltag steckt, kommt die Zeit leider viel zu kurz. ;-)

      Das Visum zu verlängern war überhaupt kein Problem. Da mach Dir keine Sorgen. Das Ganze liegt ja jetzt schon über ein Jahr zurück, so dass wir uns nicht mehr hundertprozent sicher sind. Glauben aber, dass nur die zwei Kopien benötigt wurden.

      Viel Erfolg beim Verlängern und viel Spaß in diesem tollen Land.
      Viele Grüße
      S

Leave a reply

 

Your email address will not be published.