Völlig unterkühlt kamen wir mit einem „A/C Express Bus“ um 4 Uhr morgens in Hsipaw (ausgesprochen „schiepaw“, wobei die letzte Silbe ausgesprochen wird wie „law“ im Englischen), ein beschauliches Bergstädtchen 200 km nordöstlich von Mandalay an. Wir wussten, auf was wir uns einließen. Jeder Tourist, dem wir begegnen und der bereits in den Genuss der myanmarischen Fernbusse gekommen ist, verzieht das Gesicht und beschwert sich über Kühlschranktemperaturen und die lautstarken Musikvideos, die einen dazu zwingen, die verhassten Ohrstöpsel doch zu benutzen. Bei nächtlichen Stopps an Rastplatzrestaurants wird man genötigt, Augenklappe und Nackenkissen ruhen zu lassen und in die eiskalte Nacht auszusteigen, um dann verschlafen 30 Minuten zu warten obwohl man nichts kaufen und auch die Toilette nicht aufsuchen möchte. Von den Musikvideos blieben wir verschont, doch der Wind aus der Klimaanlage kroch uns in jede Kleidungsritze. Die fünf Lagen aus T-Shirt, Sweatshirt, Kapuzenpulli, Softshell-Jacke plus Decke schienen wirkungslos zu sein.

Bei Nachtfahrten in wärmeren Gefilden freuen wir uns immer anzukommen, denn das bedeutet raus aus der Gefrierzone und rein ins Feuchtwarme. Aber Hsipaw’s Nacht ist kalt und mitten ins eiskalte Dunkel zu treten, während man sich noch den Schlaf aus den Augen reibt, fühlte sich einfach grauslich an. Zudem wussten wir nicht, wo wir waren, obwohl die Stadt zu Fuß gut erschließbar sein sollte. Also nahmen wir das Angebot des Pickup-Fahrers, der auf den ankommenden Bus gewartet haben musste und die Gunst der Stunde nutzte, an und ließen uns zu unserem Hotel kutschieren.

Wir waren nicht überrascht, als man uns im Hotel sagte, dass unser Zimmer noch nicht frei sei und wir bis Mittag warten müssten. Wir überlegten entweder zum Markt zu streunen, auf dem sich täglich ab 4:30 Uhr Dorfhändler aus der Umgebung in Scharen versammeln oder doch im Eingangsbereich zu warten, bis eines der vielen Teehäuser öffnet und wir frühstücken hätten können. Stattdessen führte uns der nette junge Mann, der uns empfing, ins Nebengebäude. Dort stand im gefliesten Foyer zwischen Zimmertüren und Eingangsbereich der Gemeinschaftsdusche ein frisch bezogenes Bett. Er strahlte uns an, als er uns signalisierte, uns hier die restlichen Morgenstunden auszuruhen. Er erkannte sicher, wie sehr wir uns über diese unverhoffte Mütze voll Schlaf freuten.

 

2 Comments

 

  1. 12/02/2014  19:57 by Jay Pee Reply

    Schön, ganz rührend.

  2. 19/02/2014  17:37 by Antonella Reply

    Immer beschützt, auch wenn es um ein Bett geht. Schön!

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