Die Entscheidung zu dieser Reise war unerwartet. Denn hätte mir jemand vor einem Jahr erzählt, ich würde auf Weltreise aufbrechen, hätte ich wahrscheinlich schlichtweg dankend und mit einem ungläubigen Lachen abgelehnt. „Warum sollte ich das tun?“ Hatte ich doch seit 7 Jahren einen spannenden Job, einen guten Chef, nette Kollegen und konnte mit der Firma ausreichend „dienstreisen“.

S und ich konnten uns schon länger vorstellen, gemeinsam für zwei bis drei Jahre ins Ausland zu gehen. Im Laufe des letzten Jahres stellten wir verschiedene Versuche an, sprachen mit unseren Chefs, nutzten private Kontakte. Die Rahmenbedingungen stimmten jedoch nicht, oder potentielle Stellen wurden auf nächstes Jahr verschoben, weil das Budget fehlte. Dafür bekam ich andere berufliche Angebote in Deutschland, sowohl firmenintern als auch extern, die ich jedoch nach Hin-und-Her überlegen ablehnte. Ich konnte mich nicht von ganzem Herzen dafür entscheiden. Etwas hielt mich davon ab. Es reifte ein Wunsch nach Veränderung, danach, mich vor dem nächsten beruflichen Schritt in die Welt zu stürzen und Neues zu entdecken.

Der Moment der Entscheidung war alles andere als spektakulär. An einem Abend standen S und ich in der Küche und wussten beide, an was wir dachten. „Warum länger warten! Lass es uns einfach machen!“  Der Entschluss fühlte sich einfach richtig an.

Wir hatten unsere Pläne zunächst für uns behalten, weil wir die wichtigsten Voraussetzungen für die Reise erst einmal abklären wollten (keine ungelegten Eier und so weiter). Trotzdem erzählten mir Menschen unabhängig davon und fast beiläufig von ihren Lebensgeschichten, die mich in meiner Entscheidung bekräftigten. Z. B. berichtete mir ein Kollege von seinem 4monatigen Sabbatical und meinte: „Du musst nur eine Tür öffnen und entdeckst 10 weitere, von denen du gar nicht ahnen konntest, dass sie existierten!“

Einfach war die Entscheidung nicht, denn der berühmt-berüchtigte Sicherheitsmensch hat auch mich manchmal im Griff. Oder anders… ich habe zwei Herzen in einer Brust (damit bin ich wahrscheinlich nicht alleine): Auf der einen Seite das Sicherheitsnetz unter sich aufzuspannen und für’s eigene Wohlbefinden zu brauchen, auf der anderen Seite sich ins Ungewisse zu stürzen, den freien Fall und das Fliegen zu lieben. Diesmal habe ich mich für das zweite Herz entschieden und es fühlt sich großartig an! Der Entschluss, dieser erste Schritt, ist schon eine Reise.

 

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