Am ersten Tag in Hsipaw waren wir hauptsächlich damit beschäftigt, unseren „Jetlag“ auszukurieren (wir haben in den letzten Wochen und Monaten festgestellt, dass wir uns an den Tagen nach Nachtfahrten nicht zu viel vornehmen sollten, da der unruhige Schlaf doch ziemlich schlaucht…). Unser Hotel – Lily the Home – war der perfekte Ort, um sich wohl zu fühlen. Das lag besonders an Lily, der Hotelbesitzerin. Die Begrüßung war schon außergewöhnlich, als sie uns mit einem großen Lachen nach dem Aufstehen herzerwärmend empfing, unsere Hände dabei fest drückte und nicht mehr loslassen wollte. Sie hatte von Anfang an einen Narren an S gefressen, knuddelte sie bei jedem Scherz und lachte dabei laut auf. Bei der Organisation unserer Weiterreise in Myanmar unterstützte sie uns tatkräftig und freute sich von Herzen, wenn wir gemeinsam eine weitere Aufgabe erledigt hatten.

Lily owner of Lily the Home Hsipaw

Hätten wir geahnt, wie hügelig Hsipaw ist, hätten wir uns die schicken Mountainbikes vom Laden um die Ecke ausgeliehen, um die Umgebung zu erkunden. Stattdessen schnappten wir uns die zu kleinen Stadträder von Lily und wackelten über die Schlaglöcher und das Geröll auf Hsipaw’s Straßen. Auf dem Weg entdeckten wir Mrs. Popcorns „Organic garden“ – ein liebevoll gestaltetes Café in einem groß angelegten Garten mit Blick über die umliegenden Reisfelder. Im Frauenbetrieb führt Mrs. Popcorn ihr Café und baut die meisten Zutaten in ihrem Garten selbst an.

Mrs Popcorns garden Hsipaw

Hätten wir uns an diesem Tag auf den Geröllwegen der schier endlosen Felder nicht verfahren, wären wir nicht auf entlegenere Dörfer gestoßen, wo uns an jeder Ecke die Menschen händewinkend begrüßten. Sie kamen angerannt, als sie merkten, dass wir unseren Weg versuchten zu finden. Die meisten konnten kein Wort oder nur sehr wenig Englisch, aber sie alle bemühten sich von Herzen uns zu helfen.

Hsipaw Kids

Hsipaw Kids

Hsipaw

Farmer Hsipaw

Nature shower Hsipaw

Bike tour Hsipaw

Nach unserer Radtour hatten wir große Lust, mehr von den Dorfleuten und den hier angesiedelten Stämmen zu erfahren. Wir nahmen an einer Shan-Village Tour teil und zogen gemeinsam mit unserem Guide Jo Jo und zwei Kanadiern frühmorgens los, um in die umliegenden Shan-Dörfer zu wandern. Im Nebel stiefelten wir über die Felder und beobachteten die Arbeit, die hier noch mit Ochsen und Karren verrichtet wird. Wir bekamen den Anbau von verschiedenen Früchten, Gemüsen und Getreiden erklärt. Ein Besuch der „Dorfindustrie“ hört sich zunächst zwar öde an, es ist aber tatsächlich ganz spannend das Handwerk in der Nudelfabrik und der Eisenschmiede, wo noch per Hand mit Hammer, Feuer und Blasebalg gearbeitet wird, zu beobachten. Anschließend besuchten wir ein Nonnenkloster, wo Frauen und Mädchen jeden Alters hausen. Junge Frauen können hier umsonst eine Ausbildung erfahren, wenn sie dem Kloster als Nonne beitreten. Nach Beendigung dürfen sie das Kloster wieder verlassen, wenn sie möchten.

Village Tour Hsipaw morning

Farmer Hsipaw

Village trekking tour Hsipaw 6

Noodle factory Hsipaw Mayanmar

Noodle factory Hsipaw Myanmar

Hsipaw food preparing snacks

Non Hsipaw

Zwischendurch erzählte uns Jo Jo von der Geschichte der österreichischen Shan-Prinzessin, die ihren burmesischen Ehemann als Studentin in USA kennengelernt und geheiratet hatte, bevor sie erfuhr, dass er in Hsipaw regierender Prinz eines Shan-Staates war. Wir klebten regelrecht an seinen Lippen, als er von der so romantischen und doch so traurigen Geschichte erzählte, die grausam endete. Der Prinz wurde nach dem Militärputsch verschleppt und bis heute weiß niemand mit Sicherheit was mit ihm geschehen ist. Daraufhin luden wir uns sofort das E-Book herunter. Für jeden Myanmar-Interessierten kann ich das Buch auf jeden Fall empfehlen: „Twilight over Burma – My Life as a Shan Princess“

Auf dem Weg zurück in die Stadt stießen wir auf eine Grundschule, wo uns eine der Lehrerinnen einlud, eine Klasse zu besuchen. Die Schüler hatten eine Heidenfreude, uns myanmarische Lieder vorzusingen und kleine Choreographien aufzuführen. Die Lehrerin strahlte dabei über das ganze Gesicht und zog immer mal wieder einen Auserwählten aus der Gruppe heraus, um seine Englischkünste vorzutragen.

Primary school Hsipaw

Primary school Hsipaw

Zurück in Hsipaw, sprach uns eine Frau beim Abendessen in einem chinesischen Restaurant an. Sie meinte, sie würde uns kennen. Sie sei die Lehrerin aus der Schule, die wir besucht hatten. Sie setzte sich sofort zu uns und rief noch ihre dort arbeitende Schwester zu uns und stellte uns vor. Das Interesse an uns war groß und die Fragenflut schien nicht zu enden. Die Lehrerin kümmerte sich rührend um uns, in dem sie dafür sorgte, dass wir unser Essen zügig bekamen und wir alles hatten was wir brauchten. Später wurden auch noch die restlichen Familienmitglieder, die in der Küche arbeiteten, herausgerufen und sie freuten sich darüber, dass wir bei ihnen aßen. Beim Verabschieden wurden wir noch eingeladen nächstes Jahr wieder zu kommen. 🙂

Chinese restaurant Hsipaw

Hsipaw hat zwar kein Kino, dafür aber das Soe Soe Win Teehaus, das zu jeder Zeit Blockbuster zeigt und Jung und Alt anzieht. Dort musste ich eines Abends mit Schrecken feststellen, dass S Jurassic Park noch nicht gesehen hatte. Sie war etwas knatschig, als ich sie vor Ende des Films rauszerrte, weil wir am nächsten Tag früh aufstehen mussten. Als wir zum zweiten Mal dort waren, um unseren geliebten Milchtee zu trinken, stellte uns der junge Kellner ungefragt zwei gefüllte Tassen auf den Tisch. Etwas verdutzt blickten wir ihn an, woraufhin er zunächst auf die eine Tasse zeigte und erklärte: „Milk tea with sugar“, anschließend auf die andere: „No sugar“. Also genau so, wie wir es bestellt hätten. Am nächsten Tag erzählte uns Lily, dass das Geschäft in der dritten Generation geführt würde und die Devise dort lautete, dass der Kunde ab dem zweiten Mal nicht mehr bestellen müsste. Es wäre Aufgabe des Kellners, seinem Kunden diese Aufgabe abzunehmen. Wir gehörten also schon irgendwie zu ihren Stammgästen. 😎

Soe Soe Win Teehouse Hsipaw

Nach drei Tagen mussten wir uns in der frühmorgendlichen Kälte von unserem geliebten Hsipaw und unserer „Ersatzmutti“ Lily verabschieden. Sie drückte uns fest und gab uns noch Küsschen mit auf den Weg. Mit dem Zug ging es nach Pyin U Lwin. Die Strecke ist aufgrund der Fahrt über Myanmars berühmteste Eisenbahnbrücke, dem Gokteik-Viadukt unter den Touristen recht beliebt. Sobald die Brücke in Sicht war, lehnten sich alle Fahrgäste weit aus dem Fenster, um die 111 Meter tiefe Schlucht unter uns zu sehen. Im Schritttempo rollten wir über die 800 Meter lange Brücke, die fortwährend laut knatterte.

Cold Hsipaw

Gokteik Viadukt Myanmar

Train to Pin Oo Lwin

Nach unseren zahlreichen schönen Begegnungen in Hsipaw, hatten wir im Zug eine weitere mit einer Frau, die mit ihrem kleinen Sohn auf dem Weg nach Mandalay war, um Chinese New Year mit ihrem Ehemann zu feiern. Wie die Lehrerin schien auch sie begeistert zu sein, sich mit uns zu unterhalten. Sie beschenkte uns fortwährend mit Gebäck und kleinen Snacks, die sie aus ihrer Tasche auspackte. Da ihr Bruder in Pwin U Lwin wohnte, schrieb sie uns zum Abschied noch ihre und seine Kontaktdaten auf und bot uns an, dass wir uns jederzeit melden könnten, wenn wir Hilfe bräuchten.

Die Menschen in Myanmar begegnen uns mit einer unglaublichen Herzlichkeit und Gastfreundschaft. In den Bergdörfern kann man die Ursprünglichkeit und Echtheit der Menschen und ihrer Kultur erleben, obwohl der Fortschritt in urbanen Ecken des Landes in rasender Geschwindigkeit Einzug hält. Das Strahlen in ihren Augen ist ansteckend und ich bewundere ihre Freude, die sie trotz Leid aufgrund von Kolonialisierung, Bürgerkriegen und Militärdiktatur beibehalten. Was dieses Land so besonders macht, sind seine Menschen, die uns tief berühren!

People Hsipaw

 

6 Comments

 

  1. 13/02/2014  19:55 by Sabine Reply

    So toll, vielen Dank! Ist wunderbar zu wissen, dass Ihr so viele schöne Begegnungen habt und diese mit uns teilt :) Dicker Knutscher!

    • 25/02/2014  14:35 by V Reply

      Ist schön zu wissen, dass ihr daran teilhaben könnt! :) Fühlt euch gedrückt... alle drei! ;)

  2. 14/02/2014  15:00 by Manu Reply

    Ich kann mich noch soooo gut an Myanmar zurück erinnern: Nach wie vor eine der Schönsten Reisen, die ich in meinem Leben gemacht habe ! Geniesst es weiterhin !
    Hier findet das Leben gerade auf Tourenski statt. Und im August geht es zum Campen nach Canada :-)
    LG Manu

    • 25/02/2014  14:30 by V Reply

      Ja, das Schneetreiben verpassen wir dieses Jahr... wobei der Winter in MUC ja anscheinend ausbleibt wie wir so mitbekommen. Genießt den Tourenskispaß weiterhin. LG, V

  3. 16/02/2014  16:22 by Jay Pee Reply

    WONDERFUL! WONDERFUL, one more time WONDERFUL!! I'm runnung out of expressions, compliments, etc.

  4. 19/02/2014  17:35 by Antonella Reply

    Ganz tolle Bilder, ich muss mich leider wiederholen. Und ich habe mich Dank Eurer Berichte in dieses Land verguckt. Daaaanke. Ganz toller Bericht.

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