Wir hatten lange überlegt, ob wir den Zug von Yangon nach Thazi oder stattdessen doch den Bus in die Berge nehmen sollten. Es kursieren Horrorgeschichten über Zugfahrten in Myanmar wie Entgleisungen und 20stündige Verspätungen. Zudem dauern Zugfahrten hier per se länger und man muss für die Myanmar Railway einige Dollar mehr hinlegen als für Express Busse. Trotzdem wollten wir uns „the bumpy ride“, wie es hier alle enthusiastisch beschreiben, nicht entgehen lassen.

Unser erster Versuch die Zugfahrkarten beim Bahnschalter zu besorgen blieb erfolglos. Nicht, weil an der Schalterreihe kein einziges Wort in Englisch geschrieben war, sondern weil wir unsere Reisepässe nicht bei uns hatten. Mittlerweile wissen wir, dass wir ohne unsere rotbraunen Büchlein so gut wie keine Formalität erledigen können. Vom Hotel-Check-In bis hin zum Transport wird genauestens registriert, was der Tourist im Land unternimmt. Wir gingen also am nächsten Tag erneut zum Schalter und S wunderte sich darüber, warum es zwei Männer braucht, um uns unsere Upper-Class-Tickets (die Holzklasse wollten wir uns für die angesetzte 11-Stundenfahrt dann doch nicht antun) handschriftlich auszustellen. Einen, der alle Details aufschrieb und einen, der die Papierstreifen abstempelte. Ich hingegen war darüber überrascht, wie S es schaffte, eine neue Reisebegleitung zu finden, obwohl ich mich nur für einige Sekunden von ihr abwandte. 😉

Myanmar Railway Booking Office

Train ticket office Yangon 2

Um 6 Uhr morgens ging die Fahrt los (dieses ständige frühe Aufstehen und der unregelmäßige Tages-bzw. Nachtrhythmus aufgrund dieser frühen Abfahrtszeiten und Nachtfahrten beschert mir neue Falten und graue Haare. Ich möchte nie wieder das Wort „Urlaub“ hören…!). Als wir in unseren „Upper Class“ Waggon einstiegen waren wir positiv überrascht. Die Sitze waren sehr bequem und wir hatten ausreichend Platz, um es uns für die holprige Fahrt gemütlich zu machen. Nach einer halben Stunde auf den Schienen wussten wir, warum die Sitze eine Federung hatten. Sobald es etwas schneller wurde und der Zug über die Schienenteile rollte, wurden die sitzenden Insassen in die Höhe katapultiert und von links nach rechts geschleudert. Es fühlte sich an, als ob man mit einem Schnellboot über Wellen hüpft oder in einem dieser üblen Fahrgeschäfte auf dem Volksfest hin und her gerissen wird. Ich hätte mir zuvor nie vorstellen können, dass ein solch heftig hüpfender Zug auf den Schienen bleibt. Das Aufsuchen der Zugtoilette (Plumpsklo!) war dabei die größte Herausforderung an diesem Tag. Nicht nur aufgrund des fortwährenden Hüpfens, sondern auch, weil die Metallteile der Waggonkuppeln bei jedem Hüpfer so laut aufeinander krachten, dass man sich anschließend anschreien musste, um das Pfeifen in den Ohren zu übertönen.

Train station Yangon

Train Yangon to Thazi

Das hinderte uns aber nicht daran, die Fahrt zu genießen. Als die Sonne aufging, zeigte uns das Morgenlicht die atemberaubende Schönheit dieses Landes. Der Nebel legte sich wie ein Schleier über den goldbraunen Acker und eröffnete uns nur langsam den Blick auf zahlreiche kleine Pagoden, die im Licht glitzerten und die Felder schmückten. Alle halbe Stunde kam ein Verkäufer mit verschiedenen kleinen Gerichten vorbei und trotz der Warnungen haben wir unsere Neugierde nicht zurückhalten können und probierten mehrere der angepriesenen Snacks wie z. B. Pomelosalat, gekochte Zuckermaiskolben, Samosas und den hier so beliebten mit süßer Kondensmilch angerührten Kaffee.

Morning Yangon to Thazi

Morning Train Yangon Thazi 2

Vendors train Myanmar

Vendor train Myanmar

Passengers train Yangon Thazi

Nach nur 12 Stunden erreichten wir Thazi im Dunkeln, wo wir sofort von mehreren Männern begrüßt wurden, die uns mit lauten „Taxi, Taxi“ –Rufen empfingen. Wir hätten laufen können, aber wir wollten uns die Pferdekutschfahrt (Thazi‘s Taxi) nicht entgehen lassen. (Sorry, es war kalt und dunkel, da hab ich den Kopf des Pferdes aus Versehen “abgeschnitten”… 😳 )

Thazi Horse Cart

Als Umsteigeort für Bahnreisende in die Berge, bietet Thazi nur zwei Unterkünfte für Touristen. Trotz des „shared bathroom“ hatten wir uns für das familiengeführte Moon Light Rest House entschieden, da das benachbarte Hotel einem Militärangehörigen gehört. Bei Ankunft wollten wir sofort duschen, jedoch hatten unsere Gastgeber wohl vergessen, das Wasser anzuschließen, so dass wir die Dusche der Familie nutzen mussten. Eingewickelt in Badetücher hüpften wir über den Innenhof an den Wäscheleinen, an denen Fische zum Trocknen hingen, vorbei und fanden einen gefliesten Schuppen mit Duschkopf vor. Egal, wir freuten uns über fließend Wasser.

Thazi Guesthouse

Nach einem 2minütgen Spaziergang merkten wir, dass Thazi’s Gastroszene sehr überschaubar ist und entschieden uns, eine Kleinigkeit im Restaurant unseres Hotels zu essen. Dort begegneten wir zwei Amerikanerinnen, mit denen wir einen sehr lustigen Abend verbrachten. Die Tatsache, dass wir in der Garage des Hotels aßen, wo das Auto und der Roller unserer Gastgeber parkten, störte uns nicht weiter. 😀

Thazi Guesthouse 2

Am nächsten Tag ging es mit einem klapprigen Bus weiter nach Kalaw. Innerhalb der ersten Stunde mussten wir aufgrund eines platten Reifens und nach einer weiteren Stunde wegen eines überhitzten Motors stehen bleiben. Wir waren beeindruckt, wie schnell der Reifen gewechselt und Kühlwasser bei der nächsten Berghütte organisiert war.

Local bus from Thazi to Kalaw

Bus break down to Kalaw

Bus break down to Kalaw

Thazi war bereits frisch im Vergleich zu Yangon, aber im Bergort Kalaw purzelten die Grade nach Sonnenuntergang weiter in die Tiefe. Unser Hotelzimmer war mit mehreren dicken Wolldecken ausgestattet und die Inneneinrichtung erinnerte uns an einen bayerischen Berggasthof. Kalaw ist ein ruhiges und beschauliches Städtchen, das durch ihre mit Silber- und Goldmosaiken bestückte Pagode ein bisschen majestätisch wirkt. Was mir sofort auffiel war das spätnachmittägliche Licht, das in den Bergen Myanmars irgendwie weicher, fast schon herbstlich scheint. Ich war so beeindruckt von diesem besonderen Licht, dass ich S gegenüber ständig davon schwärmen musste.

Monk Kalaw

Kalaw view

Kalaw Myanmar

Kalaw Monastery

Street vendor Kalaw

Pagoda Kalaw

Pagoda Kalaw by night

Wir waren sehr von der Freundlichkeit der Menschen hier angetan. Zu Beginn wirkten sie schüchtern und zurückhaltend, grüßte man sie jedoch mit einem heiteren „Mingalar Bar“ (myanmarisch „Hallo“), lächelten sie uns freudig an, erwiderten strahlend unseren Gruß und fragten uns, von wo wir kämen.

Monk Kalaw Monastery

Market vendor Kalaw

Market Kalaw 2

Market Kalaw

Wir lieben es, uns mitten unter den Einheimischen in einem der zahlreichen Teehäuser niederzulassen. Die meisten Restaurants in Myanmar schließen früh und Bars gibt es nur wenige. Das Teehaus ist der abendliche Treffpunkt. Eingepackt in Softshell-Jacke und Schal tranken wir nach jedem Abendessen unseren Milchtee und wurden zu Beginn immer von allen Seiten beobachtet. Sobald sie merkten, wie sehr wir ihre Art der Geselligkeit genossen und es ihnen gleichtaten, beschenkten sie uns mit ihrem großherzigen Lächeln und schienen sich über unsere Anwesenheit zu freuen.

Tea House Kalaw

In einem dieser Teehäuser bediente uns ein 10jähriger Kellner, der unglaublich eifrig und geschäftig war (es scheint üblich zu sein, dass Kinder hier schon sehr früh im Geschäft ihrer Eltern, insbesondere in Teehäusern mitarbeiten). Er wirkte dabei sehr erwachsen und wir waren beeindruckt, wie gut der Kleine seinen Laden im Griff hatte. Als jedoch S ihr Tablet zückte, zeigte sich in ihm wieder das Kind. Er setzte sich neugierig hinter uns und lachte laut auf, als er sah, was auf dem Display passierte.

Tea House Kalaw

Nachdem wir Kalaw und die Umgebung erkundet hatten, entschieden wir uns eine 2tägige Trekking Tour zum Inle Lake zu unternehmen und informierten uns bei verschiedenen Anbietern. Nachdem wir bisher fast immer zu zweit mit einem Guide unterwegs waren, hatten wir Lust diesmal in einer kleinen Gruppe zu wandern, jedoch wollten wir nicht in einer Masse von zehn Leuten enden. Also entschieden wir uns am Abend bevor es losgehen sollte für einen Trekking-Führer, der zwar etwas teurer war, uns jedoch vergewisserte, dass unsere Gruppe lediglich aus zwei Spaniern und uns bestand. Perfekt! 🙂

Kalaw signs

 

3 Comments

 

  1. 03/02/2014  22:26 by Loura Reply

    Hi there,

    Great stories and pictures.
    Looking forward to the trekking stort ;-).
    NL cold today...
    Enjoy!

    • 04/02/2014  10:47 by V Reply

      Thank you! :) Our trekking story is coming soon... You are back in NL?! Make yourself warm and cosy! ;)

  2. 04/02/2014  10:07 by Antonella Reply

    Dieses Land hat was ganz anderes als Eure anderen Touren. Ich kann nicht genau sagen was. Aber man sieht es in Euch selbst und in den Menschen vor allen Dingen.

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