Nach unserem Reinfall in Moshi mit dem schlechtesten Guide aller Zeiten, wollten wir uns nicht entmutigen lassen und unser Bergglück an unserem nächsten Ziel versuchen. Wir hatten über die Usambara-Berge im Nordosten Tansanias viel Gutes gelesen. Dieser Teil des Landes ist im Vergleich zu den Regionen um Arusha, Kilimanjaro und Serengeti noch nicht so stark vom Massentourismus „verdorben“, auch wenn die Besucherzahlen wachsen. Wir fanden heraus, dass es dort Kulturprogramme für nachhaltigen Tourismus und Entwicklungsprojekte zur Unterstützung der umliegenden Dörfer gibt. Wir wollten den lokalen Guides eine zweite Chance geben, auch weil aufgrund von sporadisch vorkommenden Raubüberfällen davon abgeraten wird alleine zu wandern. Wir wussten jedoch, dass wir hier ebenfalls vorsichtig sein mussten, da schwarze Schafe versuchen würden uns über den Tisch zu ziehen. Bereits während der Busfahrt wurden wir von jungen, sportlich gekleideten Männern angesprochen und mit diversen Flyern, die verschiedenste Touren beschrieben, überhäuft. Da wir unsere Lektion gelernt hatten, lehnten wir erst einmal höflich alle Angebote ab. Wir hatten uns bereits über einen seriösen Touranbieter informiert, der im Ort ein Büro hatte. Dort sind wir nach Ankunft sofort hin, um uns selbst ein Bild zu machen. Bei der Organisation „Friends of Usambara Society“, eine Vereinigung von 17 lokalen Guides, die die Hälfte der Einnahmen zum Aufbau von Schulen und Finanzierung von Lehrern verwendet, fühlten wir uns sofort wohl.

Dieses Mal ließ uns unsere Intuition nicht im Stich. Jackson, ein 21jähriger Naturbursch, führte uns mit einer unermüdlichen Leidenschaft für Flora und Fauna über die üppig bewachsenen Usambara Mountains und stillte unseren Wissensdurst, indem er uns mit einer Engelsgeduld alle Fragen über Land und Leute beantwortete. Zwischendurch sprang er immer wieder los, um uns mit Köstlichkeiten aus der Natur zu versorgen.

Passionfruit on the way

Jackson Lushoto

Wir erzählten ihm von den Betrügertricks und unserer Erfahrung, die wir in Dar es Salaam und in Moshi gemacht hatten. „That’s bad, but you know money speaks in the big cities of Tanzania!“ erklärte er uns. Ich verstand sofort, was er meinte, da ich mich in den ersten Tagen, die wir primär in Städten verbracht hatten, wie ein laufender Bankautomat gefühlt hatte. Ähnlich kennt man das sicher auch aus anderen Ländern. Hier schien es jedoch zu Beginn unserer Zeit in Tansania besonders extrem.

Die Kinder und Dorfbewohner, denen wir auf unserer Wanderung vorbei an umliegenden Dörfern begegneten, haben mir mein Herz für Tansania wieder geöffnet. Sie liefen uns entgegen, riefen „Jambo, jambo?“ (Hallo, wie geht’s?) und halfen uns den richtigen Pfad zu finden, ohne eine Gegenleistung dafür zu erwarten. Die Kleinen lachten aus dem tiefsten Inneren, sangen für uns, luden uns zum kicken ein (mit einem selbstgebastelten Fußball aus zusammengebundenen Plastiktüten) und brachten uns Kiswahili bei. DAS war das Tansania, von dem Bekannte und Freunde schwärmten, die uns von ihren Reisen erzählt hatten.

Girl Lushoto

Girls Cameleon Lushoto

Selfmade foodball

Unsere Wanderung führte uns durch den Magamba-Regenwald zur Farm des Irente Bioderversity Reserve, wo es endlich mal wieder eine g’scheite Brotzeit mit hausgemachtem Tilsiter, Quark und dunklem Brot gab. Zwei Stunden später gelangten wir an den Irente Viewpoint, wo wir einen atemberaubenden Blick über die 1000 Meter tiefer liegende Massai-Ebene genossen.

Irente Viewpoint

Boys Irente Viewpoint

Nach 9 Stunden kehrten wir müde und glücklich zurück ins Dorf. Endlich hatten wir die viel gerühmte tansanische Freundlichkeit selbst erlebt.

 

2 Comments

 

  1. 30/11/2013  21:42 by isabel Reply

    Eine nachricht v luca: Hallo Sonia u vio, Ihr erlebt tolle Dinge. Ich würde auch gern mal nach Afrika reisen. Ihr macht tolle Bilder u schreibt auch viel. Viele grüsse wünscht euch luca.
    Und isabel!! So neidisch!!

    • 01/12/2013  18:51 by V Reply

      Liebe Luca, du wirst ganz bestimmt nach Afrika reisen, wenn du dir das wünscht! Es freut uns, dass du uns jetzt schon begleitest! :D Und Isabel, brauchst nicht neidisch sein... einfach Flug buchen und uns irgendwo treffen. Luca nimmst gleich mit, dann muss sie nicht so lange auf ihre Reise warten! ;)

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