Wir gelangten mit einem vollbeladenen LKW, der zu einem Personenbus umfunktioniert wurde, von Tulear nach Mangily, einen Strandort an der Südwestküste Madagaskars. Wie alle Küstenstraßen, die wir bisher auf der Insel kennenlernen durften, war auch diese von sandig-steinigen Schlaglöchern zerklüftet und nach 1 ½ Stunden Holperfahrt schnauften wir erst einmal tief durch, als wir am Strand ankamen und das türkisblaue Meer sahen.

Mein Geburtstag stand kurz bevor. Wir wollten es uns hier fünf Tage gut gehen lassen und quartierten uns in ein etwas hochpreisigeres, sehr liebevoll eingerichtetes Boutique-Hotel direkt am Strand ein. Wir fühlten uns an diesem bezaubernden Fleckchen Erde sofort wohl.

Bus_Tulear_Mangily

Mangily_Hotel

Mangily_Hotel#2

Mangily_Hotel#3

Mangily ist ein sehr kleiner Ort. Von der Dorfstraße, flankiert von kleinen Holzbuden und Palmen, gehen immer mal wieder kleine Wege ab, die zu verschiedenen Hotels und Restaurants am Meer führen. Innerhalb von einer Stunde ist man über den kompletten Strand geschlendert. Es war kaum etwas los und Mangily schenkte uns die Ruhe und den ersehnten Urlaub, den wir nach vier Wochen – manchmal doch recht anstrengendem Reisen – brauchten. Wir fragten ein paar Einheimische, wo denn die Touristen abgeblieben seien. Die Antworten waren recht unterschiedlich. Manche meinten, dass sie schon bald wiederkämen und es nur diese Woche so ruhig sei. Andere erklärten uns, dass sie es nicht anders kannten und es so doch am schönsten sei.

Mangily_Dorf

Mangily_Dorf#3

Mangily_Dorf#2

Mangily_Souvenirs

Mangily_Beach

Knocked_Out_Mangily

Love_Life

Mangily_Jugend

Mangily_Beach#2

Manchmal waren wir die einzigen Gäste in den Restaurants und Snack Bars. Uns störte die Idylle überhaupt nicht, nur erhofften sich anscheinend alle Strandverkäufer den großen Gewinn mit den einzigen anwesenden Touristen zu machen und belagerten uns abwechselnd.

Gut, dass wir kurz zuvor ein paar Zauberwörter beigebracht bekommen hatten. „Tsy Mila“ (ausgesprochen “Tsimil”) bedeutet „Ich will nicht“ und es wirkte Wunder! Wir konnten 20 Mal auf Französisch „Ich kaufe nichts, ich brauche nichts, ich habe schon!“ oder ähnliches wiederholen. Es half alles nichts. Sie blieben hartnäckig und hefteten sich an unsere Fersen, liefen manchmal den halben Strand neben uns her oder scharrten sich gruppenweise sitzend um uns und leisteten uns lange… und ich meine laaange… Gesellschaft. Sagte man jedoch das Zauberwort freundlich, aber bestimmt – Tsimil! – ließen sie sofort von einem ab.

Den gleichen erstaunlichen Effekt hatte ein sehr ähnlicher Ausdruck, der gut bei Kindern wirkte, die sich zu sehr an Touristen gewöhnt haben. Zu viele Vazahas haben es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht, Süßigkeiten an die Kleinen zu verteilen – meiner Meinung nach zur eigenen Belustigung, weil es ja „sooo schön ist, wie die Kinder sich freuen“- obwohl immer wieder geraten wird, man solle den Kindern keine Bonbons oder ähnliches geben. Fast schon aufmüpfig fordern die Kleinen Bonbons, Kleingeld oder das T-Shirt, das man gerade am Leib trägt. In diesen Fällen sollte man „Tsy Misy“ (ausgesprochen „Tsimis“) sagen, was übersetzt so viel heisst wie „Es gibt nicht“.

Unser recht überschaubares tägliches Ritual in unserem 5-Tage-Urlaub wurde uns nicht zu langweilig: Frühstücken, im Schatten unter Palmen lesen, sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und die Zehen in den warmen Sand stecken, schwimmen, spazieren, Fischer und ihre Beute bewundern, unser geliebtes Three Horse Beer schlürfen und die untergehende Sonne beobachten, abendessen, schlafen. Leider gehörte zu diesem Ritual auch ein tägliches S-Läuft-Hinunter-Zur-Rezeption-Und-Teilt-Ein-Problem-Im-Zimmer-Mit (sie ist definitiv erfolgreicher als ich mit meinem mittlerweile nicht mehr wirklich vorhandenem Schulfranzösisch). Mal leckte Wasser aus dem Klo oder die Klospülung funktionierte nicht oder das Duschwasser floss nicht mehr ab und drohte unser hübsches Zimmer zu überfluten. Wir waren natürlich immer sehr geduldig und freundlich, hatten wir doch unsere deutschen Ansprüche für unsere Afrasia-Reise zuhause gelassen. Naja, bis S eingewickelt im Badetuch und bedeckt mit einer Schaumkrone auf dem Schopf (und mit Schaum vorm Mund) wutentbrannt aus der Dusche schoss und im Zimmer auf und ab sprang. „Das Wasser ist kochendheiß! Es gibt kein kaltes Wasser mehr! Jetzt reicht‘s, ich geh da jetzt runter!“ „Ähhh… etwas anziiiieheeeen…??!“ rief ich ihr noch hinterher. Aber sie war schon weg.

Nachdem der Hotelmitarbeiter das Problem auch nach minutenlangem Auf-Den-Duschkopf-Starren nicht beheben konnte, kam die Hotelmanagerin höchstpersönlich, entschuldigte sich tausendfach (so etwas sei hier noch nie passiert!) und machte uns ein doch sehr zuvorkommendes Angebot zur Entschädigung… und mir ein unerwartetes Geburtstagsgeschenk. Die restlichen drei Tage genossen wir den Meerblick von unserer exklusiven „Suite Full Ocean“ (uhlala!) mit privater Dachterrasse, so groß, dass man hätte Fußball darauf spielen können. Ausserdem gab‘s noch ein 3gängiges Abendessen auf‘s Haus und einen Geburtstagskuchen inklusive -ständchen. 🙂

Dachterrasse_Mangily

Candle_Light_Dinner_B-Day

B-Day_Song

Wir müssen jedoch zugeben, dass rein geschmacklich unser absoluter Favorit das Chez Mama im Dorf bleibt. Wir haben diesem „Etablissement“ diesen Namen gegeben, weil das Straßenrestaurant kein Namensschild hatte, das Essen so lecker wie bei Mama schmeckte und die Köchin, eine etwas festere Madagassin mit einem herzerwärmenden Lächeln, diesen Namen schlicht und einfach verdiente. Wer es also finden möchte, muss von der Dorfstraße in den dritten Weg nach links einbiegen, immer geradeaus bis zum weissblauen Haus laufen und unterm Baum seht ihr schon die offene Küche von Chez Mama. 😉

Chez_Mama_Straßenrestaurant

Chez_Mama_Offene-Küche

Chez_Mama_Essen

Chez_Mama

 

Und das Beste an der G’schicht: Bayern is imma dabei!

Bayern_ist_immer_dabei_Mangily

 

2 Comments

 

  1. 12/11/2013  20:10 by Jay Pee Reply

    Sehr schön - tres bien - muy bien - very good!
    R
    Congratulations!!!!!!

    • S
      14/11/2013  10:45 by S Reply

      Thank you to our biggest fan!

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